Energetische Sanierung: Jo-Jo Effekt vermeiden

Ein Beitrag von C. Pellny über die Sanierung im Wohnungsbau

Das BBSR hat vor kurzem ein rückläufiges Investitionsvolumen von ca. 5 Milliarden Euro (2010 – 2014) für die energetische Sanierung im Bestandswohnungsbau gemeldet. Die ohnehin geringe Sanierungsquote entfernt sich damit immer weiter dem Ziel der 2 Prozentquote. Die angeführten Gründe dafür sind vielfältig.  Trotzdem, im Gebäudebestand wird viel und oft auch umfangreich modernisiert. Der Fokus liegt dabei häufiger auf bekannten Schönheitsreparaturen, Instandhaltungs- und haustechnischen Erneuerungs-Maßnahmen. Bewohnern und Umfeld wird damit ein höherer Wohnkomfort mit zeitgemäßer Optik geboten, aber auch die Senkung ihrer Energiekosten suggeriert.

Woran liegt es, dass im Gebäudemanagement bei der Sanierung oft auf Sicht gefahren wird?  Die Rechnung, die aufgemacht wird lautet: Heizölpreise sind gesunken, Maßnahmen wie Wärmedämmung kosten zu viel, sparen zu wenig und die Amortisation dauert zu lange. Das heißt: viele Gebäudemanager gehen davon aus, dass sie den tatsächlichen Return ihres Investments nicht erleben werden. Nun, dass die Energiepreise schneller steigen, als eine Sanierung durchzuführen ist, zeigt ein Blick auf die derzeitige Öl-Preisentwicklung.  Und ist die energetische Sanierung, die zweifelsfrei und nachweisbar bei richtiger Planung und korrekter Umsetzung aller Hebel den Energieverbrauch senkt, nicht auch eine Generationenverpflichtung? Kennt das Gebäudemanagement bzw. deren Einkauf alle den Verbrauch senkenden Möglichkeiten? Entsprechende Ausschreibungen sprechen eine andere Sprache. Einem Dachdecker ist es nicht zu verübeln, dass er lieber ein Dach komplett neu deckt, anstatt z.B. eine Geschossdecke mit einer Ein- oder Aufblasdämmung zum Bruchteil der Kosten durchzuführen. Auch, weil Alternativen für eine Dämmung oder Haustechnik selten eingefordert bzw. ausgeschrieben werden.  Wie oft werden Flachdächer neu beschichtet oder abgedichtet, ohne einen Blick in darunterliegende Hohlräume zu richten? Nun ja, leider wissen oft weder der Einkauf noch der Dachdecker oder Fassadenmaler, dass das Gebäude über Hohlräume verfügt, die einfach wie wirkungsvoll mit einer Einblasdämmung geschlossen werden könnten. Auch weil sich im Laufe eines Gebäudelebens die Verantwortlichen ändern, die Pläne nicht vorhanden sind oder nicht ausreichend dokumentiert wurden.

Um Sanierungsmaßnahmen nachhaltig zu gestalten, werden im Wirtschafts-Gebäudemanagement (Gebäude für Industrie/Gewerbe)  heute schon erfolgreich die Aufgaben des Energiemanagements installiert. In diesen Bereich fällt es, alle Hebel zu kennen und geeignete Maßnahmen einzusteuern, die dazu beitragen, den Energieverbrauch nachhaltig zu senken, sowie dessen Auswirkung permanent zu überprüfen, zu protokollieren und bei Nichterreichen umgehend Lösungen anzubieten.

Energiemanagement als Lösung nachhaltiger Sanierungsergebnisse
Die Prozesse im Energiemanagement schließen Maßnahmen für Verhaltenshinweise an die Bewohner ein, um den aus unausgewogenen Diäten bekannten Jo-Jo- bzw. Rebound-Effekt zu verhindern. So haben Untersuchungen gezeigt, dass das Verhalten der Bewohner im Umgang mit Energie allein aus der Annahme heraus, dass eine Sanierung -gleich welchen Umfanges- energiesparend wirkt, mögliche Einsparungen zu Nichte macht.   A posteriori sind Wirksamkeit und Amortisation energetischer Sanierungsmaßnahmen in Wohngebäuden nur zu erreichen, wenn alle durchgeführten Maßnahmen nach einer realistischen Überprüfung bewertet werden und die Bewohner weitreichender als bisher über Maßnahmen und Ziele einer Sanierung informiert werden. Der achtsame Umgang mit der Energie ist zum Wohle aller einzufordern.

Hebel, die den  Jo-Jo Effekt ausschalten

1.  Effizienz Haustechnik

Legen Sie eine Checkliste an, was und wie die Effizienz einer neuen Heizungsanlage geprüft werden kann. Planen Sie die Überprüfung durch einen unabhängigen Fachmann. Fordern Sie die Realisierung gegebener Versprechungen ein.  Protokollieren Sie in den Anfängen Verbräuche und etwaige Schwankungen häufiger bislang. Häufig wird fehlende Effizienz durch eine überdimensionierte Anlage, falsche Heizkennlinien, überdimensionierte Pumpen oder fehlende Übereinstimmung von Wärmeerzeugung und Wärmeabnahme ausgelöst.

 2.  Dichtigkeit des Gebäudes

Gebäudedichtigkeit hat einen großen Effekt auf den Energieverbrauch. Energielecks mindern den Erfolg einer Sanierung erheblich. Der Einbau neuer Fenster, Türen oder eines Daches ist auf Dichtigkeit zu überprüfen. Die Dichtigkeitsüberprüfung ist ein Kostenfaktor. Er sollte als Bestandteil der Abnahme in Ausschreibungen dort vorgesehen sein, wo Energieeinsparungen das Ziel der Maßnahmen sind.

 3. Gute Bewohner-Information

Machen Sie es Bewohnern und neuen Mietern leicht, Ihre Energieziele zu erreichen. Geben Sie Tipps und Hinweise, wie z.B. durch richtiges Lüften und den Umgang mit der Selbst-Steuerung von Wärme und Wasser der Energieverbrauch gesenkt und trotzdem der Wohnkomfort gesteigert werden kann.

4.  Wärmedämmung ohne sowieso-Maßnahme

Hartnäckig halten sich die Empfehlungen, eine Wärmedämmung sei dann besonders rechenbar, wenn man sie im Zusammenhang mit anderen Sanierungsmaßnahmen ausführe. Eine Einblasdämmung um Hohlräume in Geschossdecken (EG/OG) oder Wänden (Kerndämmung) zu schließen oder eine Sprühdämmung für die Kellerdecke kosten nicht mehr oder weniger wenn man sie durchführt, sobald sie als notwendig erkannt wird. Die Einblas- und Sprühdämmung wird mit mobiler Dämmtechnik gemacht, die selten bis nie das Einrüsten von Gebäuden verlangt

Auch bei Mehrfamilienhäusern können Hohlräume unter dem Flachdach ohne Gerüst ausgeblasen werden. Die Arbeiten werden von außen ausgeführt und verursachen für Bewohner bzw. Nutzern der Gebäude keine Belastungen.  Flächen bis ca. 300 qm und eine Dicke von z.B. 200 mm sind nach einem Tag mit der Einblastechnik bewältigt. Bei einer Kellerdeckendämmung sollte eine geplante neue Haustechnik, die mit vielen Leitungen an der Decke verbunden ist, bereits abgeschlossen sein.